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Lehr-kräfte: mehr “-innen” als “-er”

Wer genau hingesehen hat, wird feststellen, dass auf der Seite zuvor vornehmlich Lehrerinnen zu sehen waren, ein Umstand, der nicht von ungefähr kommt. Die dort ein wenig polemisch gezeichnete Situation soll eine Entwicklung verdeutlichen, die als eine Femininisierung der Lehr/er/tätigkeit bezeichnet werden kann, derzeit sind 66% aller Lehrkräfte im nds. Schuldienst weiblich, der Anteil an Männern in den jüngeren Jahrgängen ist selbst in den - traditionell als Männerdomäne bezeichneten - Kollegien der weiterführenden Schulen zurückgegangen, im Primarbereich gibt es Männer fast gar nicht: Es dauert oft Jahre, bis sich die Schülerschaft der ersten männlichen Lehrperson gegenüber sieht, ein Umstand, dem Mann erst in den letzten Jahren ein kritisches Potenzial zutraut:

STAND DER DINGE:

JUNGEN FINDEN IMMER WENIGER MÄNNLICHE MODELLFÄLLE, VORBILDER, ORIENTIERUNGSPUNKTE FÜR IHRE GESCHLECHTLICHE IDENTITÄT IM KLASSENRAUM VOR.

Offen muss bleiben, ob sich dieser Trend wird umkehren lassen, denn viele heutige eingestellte und dann-nicht-mehr-eingestellte Lehrkräfte haben in den 70er und 80er Jahren am eigenen Leib erlebt, wie verlässlich die Perspektiven eines Lehramtsstudiums de facto sein können; und diejenigen, die eine Stelle ergattern konnten, haben sich seit gut 20 Jahren einer auch von diversen führenden Politikern (Schröder, Gabriel) mitgetragenen (all)gemeinen Humiliationskampagne gegenüber gesehen, wie sie auch Busemann immer noch konstatieren muss:

    Es muss uns allen gemeinsam zu denken geben, wenn ein kürzlich erschienenes Buch mit dem Titel „Das Lehrerhasserbuch“ ein mediales Echo findet, wie es vielen anderen seriöseren Neuerscheinungen versagt bleibt, und der Titel in fast keiner Buchhandlung mehr aufzutreiben ist. Wir wissen aus der PISA-Studie, dass es einen engen Zusammenhang zwischen dem Ansehen des Lehrerberufs und dem Erfolg der schulischen Arbeit in einem Land gibt. Hier haben wir alle gemeinsam noch viel zu tun.(ebd.)

Wenn man davon ausgeht, dass Männer (immer noch) statusbezogen und hierarchisch denken, dann ist ja ausgerechnet diese Abwertung mit Ursache dafür, dass sie eine Entscheidung für den Lehrberuf als Notbehelf sehen, als letzten Ausweg, wenn es mit einem Beruf für winner-types nicht geklappt hat. Lehrer aus Berufung wird “Mann” immer seltener, “richtige” Männer beweisen sich im abenteuerlichen Umfeld der freien Wirtschaft, treffen als Juristen nachhaltig wirksame Entscheidungen (z.B. als Kultusminister), Lehrer sind eingebunden in strenge soziale Kontrollen, ihre Entscheidungen müssen sich immer daran relativieren, dass sie es mit einer Kinder-Klientel zu tun haben, die Mann noch nicht wirklich ernst nehmen kann (dies schon in einem Aufsatz von Adorno in den 60er Jahren zur Rollenproblematik des Lehrers) - und also auch nicht den Lehrer.

Ob man das alles nun gut findet oder nicht, ob man sagt “Männer dürf(t)en dann eben nicht statusbezogen denken!” - es bleibt die Frage, wo denn die Männer herkommen sollen, die diese (Um-)Erziehungsziele mit ihrer eigenen Biografie in der Schule mit all ihren systemimmanenten Unzulänglichkeiten verkörpern und vorleben wollen. Eine entsprechend aufopfernde Bildungseuphorie wie in den 70er Jahren wird es wohl so schnell nicht wieder geben.

Für unsere Jungs ist dieser Trend in Verbindung mit dem Umbau familiärer Strukturen, ihrer Ent-Mannung sozusagen, geradezu fatal: Fehlen ihnen schon im familiären Umfeld immer häufiger Männer, die ihnen als Vorbild dienen können, so kann die Institution Schule an dieser Stelle ebenfalls wenig, oder besser noch: weniger als allenthalben erwartet zur Substitution dieses Mangels beitragen - wobei hier nicht verschwiegen werden soll, dass auch für Mädchen ein Lehrer für ihre Rollenfindung ein Desiderat sein kann/ist.

 

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